Der Lerchenbergtunnel
Der Bahntunnel unter dem Heilbronner Lerchenberg („Lerchenbergtunnel“) wurde 1900/1901 erbaut. Er ist ca. 390 Meter lang und Teil der ehemaligen eingleisigen „Verbindungsbahn“ zwischen Abzeig Pfühlpark (Karlstor) und dem Südbahnhof. Über diese Trasse erfolgte die Anbindung des Schienenverkehrs der Bottwarbahn vom Südbahnhof über Karlstor und Sülmer Tor zum Hauptbahnhof. An den Baukosten beteiligte sich die Stadt Heilbronn seinerzeit neben dem Grunderwerb mit einem nicht unerheblichen Betrag, um statt einer alternativen (und kostengünstigeren) Trasse über die Oststraße die Trasse durch den Lerchenbergtunnel zu realisieren [1]. Der Streckenabschnitt ist seit August 2000 stillgelegt, formell jedoch noch nicht entwidmet. Der Tunnel zeigt an den Portalen eine Verkleidung aus Sandstein und im Innern ein aus Backstein gemauertes Gewölbe. Er hat in der Tunnelmitte seinen Hochpunkt und entwässert zu den beiden Tunnelportalen hin. Im Längsschnitt weist er eine Krümmung auf.
Der Zustand des Bauwerks wurde seitens DB im Jahr 2010 begutachtet „[…] und befindet sich in einem guten Zustand.[…]“ [2]. Auch ein erstes externes Gutachten bescheinigt dem Tunnel einen „[…] befriedigenden bis guten Gesamtzustand [ohne] Hinweise auf globale Sicherheitsdefizite […]“ [3]. Eine umfassende Statikprüfung und Bewertung der Verkehrssicherheit wurde Anfang 2022 durchgeführt und auf dieser Basis mögliche Sanierungsoptionen dargestellt [4]. Altersbedingt weist die Tunnelschale Durchfeuchtungen, Abschalungen und Ausbrüche auf. Im aktuellen Zustand ist die Verkehrssicherheit für Radfahrer und Fußgänger daher nicht gegeben. Sicherungsmaßnahmen sind zwingende Voraussetzung für die Umnutzung des Tunnels. Es ist geplant den Tunnel vollflächig mittels Dränmatten, Dichtungsbahnen und Spritzbeton zur sichern. Die Tunnellängsentwässerung muss instandgesetzt werden. Die Gleise (Normalspur) und das Gleisbett auf dem Teilabschnitt zwischen Silcherstraße und Jägerhausstraße sind noch vorhanden und werden für den Wegebau entfernt.
Für eine sichere Durchquerung des Bauwerks mit dem Rad oder zu Fuß ist die Errichtung einer besonderen Beleuchtungsanlage vorgesehen (Effektbeleuchtung). Diese erfüllt zum einen die Belange der Verkehrssicherheit und wertet zum anderen den Tunnel durch kreative Lichtgestaltung emotional auf. Dadurch entsteht ein Ort, der Neugier weckt, Sicherheit vermittelt und positive Assoziationen fördert. Zur weiteren Sicherheit erhält der Tunnel Einbauten zur Sicherstellung des Mobilfunkempfangs. Für den Fußverkehr sind zudem Treppenanlagen an beiden Tunnelportalen geplant. [5]

Im Rahmen der Realisierung des Erlebniswegs soll auch die kulturhistorische Bedeutung als Industriedenkmal hervorgehoben werden (z.B. durch Infotafeln).
In Summe ergibt sich hiermit ein Infrastrukturbauwerk mit hoher touristischer Attraktivität. Der Tunnel kann dabei als Highlight des gesamten „Erlebnisweg“ betrachtet werden.

[1]: Weitere Infos und Quellenangaben s. Blogeintrag vom 30.03.2020
[2]: Schreiben der DB Services Immobilien GmbH vom 22.11.2012 an Stadtrat Wolf Theilacker
[3]: Tunnelbautechnische Beratung (Fa. HIC Geotechnik und Tunnelbau; 27.10.2020; mit Bildern der Ortsbegehnung; als Anlage zu Gemeinderats-DS 032/2021)
[4]: Bewertung der Verkehrssicherheit der Zonen des Lerchenbergtunnels für den Radverkehr (Fa. HIC, 14.04.2022)
[5]: Beschreibung der Baumaßnahmen in der Gemeinderats-DS 278/2025, S.4f
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